Preetz.  Seit 100 Tagen ist Erika von Bülow neue Priörin im Preetzer Kloster. Die 30-Jährige löste zum 1. Oktober ihre Vorgängerin Viktoria von Flemming ab. In einem Interview verrät sie, warum sie das Amt übernehmen wollte, was ihre Aufgaben sind und warum der Nonnenstuhl in Preetz so besonders ist.

Sie liebt auch die historische Predigerbibliothek: die neue Priörin Erika von Bülow.  (© Foto: Silke Rönnau)

Warum geht eine junge Frau ins Kloster und wird Priörin?

Erika von Bülow: 2014 habe ich meine Bachelorarbeit über die Klosterkirche geschrieben und war oft im Priörinnenhaus. Dabei habe ich viel mit Viktoria von Flemming geredet und gedacht, das ist so vielseitig und so ein wunderschöner Arbeitsplatz. Und so habe ich mir überlegt, das könnte ich auch machen. Manchmal kommen einem die Dinge zugeflogen, man muss sie nur ergreifen. Hier herrscht ja nicht mehr ein klösterliches Leben, es ist vielmehr ein Wirtschaftsbetrieb – aber mit einem ganz besonderen Charme.

„Man ist immer Ansprechpartner für alles“

Welche Aufgaben haben Sie als Priörin?

Die Hauptaufgabe besteht darin, mit Klosterprobst Eckhard Graf von Hahn den Betrieb mit dem Forst, den Mietwohnungen und den verpachteten landwirtschaftlichen Flächen zu verwalten sowie die Kunstschätze im Auge zu behalten und für Sanierungen Gelder einzuwerben. Manchmal habe ich auch das Gefühl, man ist so eine Art Mutter. Man ist immer Ansprechpartner für alles, was anfällt. Die Priörin assistiert außerdem dem Pastor bei den Gottesdiensten und hilft beim Abendmahl.

Noch keine vergleichbare Kirche in Deutschland entdeckt.

Sie haben Ihre Bachelorarbeit über die Preetzer Klosterkirche geschrieben. Was fasziniert Sie besonders daran?

Eigentlich wundert es mich, dass die Klosterkirche in der Forschung viel zu wenig vorkommt. Der Nonnenstuhl ist etwas ganz Besonderes. Denn in anderen Städten haben sich die Nonnen die Kirche mit der Gemeinde geteilt und saßen bei Gottesdiensten meistens auf der Empore. Hier saßen sie in der Mitte, das ist ganz untypisch. Ich habe in Deutschland keine Kirche gefunden, wo der mittelalterliche Nonnenchor noch so vorhanden ist. Dass das so wenig beachtet wird, ist schade, das würde ich gerne mehr herausstellen.

„Veranstaltungen beleben das alte Gemäuer“

Wollen Sie den historischen Komplex noch mehr für die Öffentlichkeit öffnen?

Ja, das ist mir ganz wichtig. Ich möchte die Konzerte und Führungen fortsetzen. Die Veranstaltungen beleben das alte Gemäuer. Vielleicht kann man auch mehr moderne Kunstausstellungen machen wie vor Kurzem die Installation von Atif Gülücü. Und ich möchte Wissenschaftler einladen, der Kontakt zur Kieler Uni ist mir wichtig.

Wohnen Sie schon im Priörinnenhaus?

Nein, zurzeit müssen noch ein paar Kleinigkeiten gemacht werden. Ich denke, dass ich im Februar einziehen werde. Für mich ist es manchmal noch ein bisschen unwirklich, wenn ich durch die hohen, repräsentativen Räume gehe. Da soll ich wohnen? Ich überlege oft, wer da so alles gelebt hat. Dazu gibt es noch den wunderschönen Garten.

Bei einer Heirat muss sie das Kloster verlassen.

Nach den bisherigen Statuten müssen Sie das Kloster verlassen, wenn Sie heiraten …

Genau. Ich habe seit sechseinhalb Jahren einen Freund, aber noch keine Hochzeit geplant. Aber irgendwann möchte ich schon heiraten. Ich habe einen Funken Hoffnung, dass die Ritterschaft die Satzung ändern könnte. Wenn nicht, geht das Privatleben vor.

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Quelle:    Dieser Artikel von Silke Rönnau wurde veröffentlicht in den Kieler Nachrichten am 4. Januar 2019.

Neue Priörin schwärmt vom Nonnenstuhl

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