Nun mache ich mich auf den Weg.
– und was nehme ich mit?
Dieses ist eine Frage, auf die es keine schnelle und keine allgemeingültige Antwort gibt, und die jeder für sich mit Bedacht abwägen sollte.
Die beiden Größen, um die es sich dabei immer dreht, sind Gewicht und Packmaß. Je geringer diese beiden sind, um so unbeschwerter (im wahrsten Sinne) kann die Pilgerreise werden. Gleichzeitig wollen wir aber auf nichts, was wir benötigen, verzichten.
In unseren Pilgerwegführern bieten wir dir Anregungen, die dir die Wahl der Ausrüstung erleichtern können. Wie angekündigt findest du an dieser Stelle unsere Packliste.
In den zurückliegenden 20 Pilgerjahren ist manches hinzugekommen, anderes wieder verschwunden. Außerdem variiert die Zusammenstellung je nach Weg und den dort anzutreffenden Unterkunftsmöglichkeiten. Die Länge oder Dauer der Reise hat hingegen kaum einen Einfluss auf die Füllmenge unserer Rucksäcke.
Du hast dir bereits Gedanken gemacht? Was benötigst du für deine Pilgerreise? Vielleicht liegen die ausgewählten Stücke bereits auf deinem Tisch? Oder du hast dir eine Packliste auf einem Stück Papier zusammengestellt?
Grundsätzlich gilt: Mitnehmen solltest du nur das, was du benötigst und was du auch bereit bist zu tragen. Du wirst sehen: Jedes zurückgelassene Gepäckstück befreit dich von der Schlepperei.
Und noch etwas: Du kannst Gewicht sparen, indem du Sachen mehrfach nutzt. Das Regencape kann auch als Unterlage während der Pause dienen, Shampoo ersetzt Waschmittel, (Zwiebeltechnik:) Ärmlinge das langärmelige Hemd und die Weste dazu das Fleece .. und so weiter. Alles in allem kommen wir auf 6-7 kg Gepäck. Das ist nicht ultralight, (trotzdem) gut zu tragen, vorausgesetzt, der Rucksack passt zum Rücken.
Und noch eine wichtige Erkenntnis: Immer wieder hört man absolute Empfehlungen und Aussagen wie „Dieser Hersteller, dieser Rucksack, diese Trekkingstöcke, diese Schuhe, … (haben mich hervorragend auf dem Weg begleitet). Diese solltest du kaufen. Die musst du unbedingt haben. Alles andere ist schlechter oder gar, nicht geeignet“.
Wir sind uns sicher, dass diese Aussagen stimmen, die Empfehlungen gut gemeint sind. Aber gilt das auch für mich? Es bedeutet, dass das für die Ratgebenden zutrifft. Wir Menschen und Pilgernden sind aber unterschiedlich. Diese Wegbegleiter für unterwegs müssen also zu unserem Körper und zu unseren Bedürfnissen passen. Oder?
Also lasse dich (zumindest für Rucksack, Schuhe und Socken) im Outdoorladen deines Vertrauens beraten – und hinterfrage immer wieder die erhaltenen Ratschläge und Empfehlungen. Schließlich ist es dein Körper – und dein Weg. Auch unsere Empfehlungen sind als Anregung zu verstehen. Ganz allein du entscheidest, was und wieviel du auf deine Reise mitnimmst. Schließlich bist du es, der alles Habe im und mit dem Rucksack, am Körper und ggf. in einer Bauchtausche mit dir tragen wirst.
„Ich packe meinen Rucksack und nehme mit ..“
Die Verpackung (Rucksack & Co)
Genauso wichtig wie das getragene Gepäck selbst ist auch deren „Verpackung“.
Der Rucksack
Mein Rucksack sollte zu meinem Rücken und Körper passen. Für die erste (zeitlich überschaubare) Tour kann man sich durchaus einen Rucksack leihen. Gehst du allerdings (künftig) regelmäßig, empfehlen wir dir unbedingt nach fachkundiger Beratung im Einzelhandel einen eigenen Rucksack. Leicht verständlich: Ein unbequemer Rucksack kann einem die schönste Tour verleiden. Wenig bekannt, aber bedeutend: Ein zu dir passendes Tragesystem lässt dich ein höheren Gewicht leichter tragen. Fazit: Es kommt nicht allein auf das Gewicht an.
Trägst du unterwegs ein Zelt und weitere Ausrüstung mit dir, wirst du vermutlich einen 50-60l Rucksack benötigen. Auf den Hauptwegen ist das zelten aber eher uninteressant. Für uns ist ein 35-max.45l-Rucksack vollkommen ausreichend. Ein größerer Rucksack kann zudem dazu verleiten, mehr Sachen einzupacken als erforderlich. Schließlich ist ja noch Platz darin.
Kleiner Ultralight-Rucksack, Beutel oder ähnliches
Bei der Erkundung des Zielortes oder für den Abend kann der Rucksack in der Unterkunft bleiben. Ein ultraleichter Rucksack, Bauchtausche oder Beutel kann die kleinen Habseligkeiten wie Geldbörse, Ausweis, Kreditkarte, Pilgerpass, Telefon, Kamera, aufnehmen und so körpernah mitgenommen werden. Er kann auch dabei helfen, die Einkäufe für den nächsten Tag in die Herberge zu transportieren.
Packsäcke (UL steht für ultraleicht)
Der Fachhandel hält unterschiedlich große Beutel bereit, mit denen man Ordnung im Rucksack halten kann. Unterschiedliche Farben und Größen erleichtern zusätzlich die Orientierung, Sachen im Rucksack wiederzufinden.
Mein Kleiderschrank
Du benötigst an Kleidung zwei Garnituren: Eine zum Wandern. Eine weitere am Etappenziel nach dem Duschen und Waschen, beispielsweise für den Abend.
Und wir haben, wie schon Hape Kerkeling
zu sagen pflegte: „jeden Tag Waschtag“.
zu sagen pflegte: „jeden Tag Waschtag“.
Grundsätzlich sollte die Kleidung so gewählt werden, dass alles mit allem kompatibel ist (Stichwort „Zwiebeltechnik„), alles für alles genutzt werden kann – und möglichst schnell trocknet. Am nächsten Tag trägt man tagsüber die „Abendgarderobe“ des Vortages. Sollte das Wanderoutfit morgens noch feucht oder klamm sein, kann es von außen am Rucksack befestigt, im Laufe des Vormittages dort trocknen. Nach Ankunft beginnt alles von vorn. Jeden Tag also dieselbe Vorgehensweise.
Ein bisschen hängt die Wahl der Kleidung natürlich von der Jahreszeit ab. Im Sommer kann es etwas knapper ausfallen. Und wie ist das mit dem Regen? Mehr dazu schreiben wir dir am Ende, also ganz unten.
Hier nun also unsere: aktuelle Pack Checkliste
Kleidung:
- 2x Wanderhosen (davon 1x mit Zipp, somit wahlweise 1x kurze oder 3/4-tel Hose möglich
- 2x Wanderhemden (kurz und lang -oder- 2x kurz, mit 1x Ärmlingen)
- 1x Gürtel (bevorzugt Kunststoff, ohne Metall, Stichwort: „Flughafen“)
- 1x Merino-Shirt (wärmend, geruchsneutraler)
- ggf. 2x BH (ein Teil der Pilgernden kann darauf verzichten)
- 3x Unterhose
- ggf. Badezeug
- 1x Fleece-Pullover(-oder- Fleece-Weste und Ärmlinge)
- 2 Paar Wandersocken (möglichst mit Anteil an Merinowolle)
- 1 Paar Wanderschuhe
- 1x Sandalen -oder- Flipflops
- Hut, Schlauchtuch, Tuch
- Regencape, Gamaschen
Schlafen:
- Schlafsack
- ggf. Schlafunterlage / Isomatte
- Inlett
- Kopfkissen (dafür kann auch das Fleece, ggf. zusam. mit einem Packsack, genutzt werden)
- Schlafzeug (oder alternativ T-Shirt zusam. mit kurzer Sporthose)
Badezimmer:
- Kulturtasche (Seife, Shampoo, Cremes in Probiergrößen)
- Sicherheitsnadeln, Wäscheleine (leicht), ggf. kurzer Spanngurt (zum Befestigen der Leine)
- ggf. Medikamente, kleines Notfallset, Tape, Compeed (letzteres nur bei offenen Wunden)
- Handtuch (UL und schnelltrocknend)
- Sonnencreme (kleine Urlaubspackung)
Küche:
- Becher (Kunststoff -oder- dünnes Edelstahl)
- Taschenmesser (bei Aufgabegepäck)
- Göffel (Mischung aus Gabel und Löffel, aus Kunststoff, siehe Outdoorfachgeschäft)
- ggf. Rollflasche für Getränke (siehe Outdoorfachgeschäft)
Sonstiges:
- Pilgerwegführer (PWF³)
- UL Notfalldecke (siehe Outdoorfachgeschäft)
- Stift -und ggf.- Tagebuch
- Ausweis, Pilgerpass, Hülle
- Muschel
- Geldbörse, Geld
- GKV Versichertenkarte
- Wanderstöcke -oder- Pilgerstab
- Stirnlampe (manche nutzen in der PH Funktion am Smartphone)
- Brille, Sonnenbrille
- Sitzunterlage (ggf. PKW-Windschutzscheibenaluschutzfolie)
Elektronik:
- Smartphone, Ladekabel/-adapter, ggf. Kopfhörer
- ggf. Kamera, Ladekabel/-adapter
- externer Akku, Ladekabel/-adapter
- (meist reicht ein Ladeadapter für mehrere Ladekabel)
- ggf. Kabel mit Mehrfachstecker (spart einzelne Kabel)
- ggf. Navi, Batterien², Ladegerät²
² (alternativ gibt es inzwischen AA-Akkus mit USB-C-Buchse zum Laden; so kann auf das extra Ladegerät für die Akkus verzichtet werden)
Verpackungen:
- Rucksack (passend zum eigenen Rücken, 30-max.45l)
- Ultralight-Rucksack (für Einkäufe, abends)
- UL-Bauchtasche (für Wertsachen, Smartphone)
Proviant:
- 1-2l Wasser (je nach Etappe, Lage der Wasserquellen vor Ort)
- Proviant für den Tag, ggf. auch für mehrere Tage (siehe PWF³)
- Notfallpack: eine Tüte Nüsse -oder- Müsliriegel -sowie- 0,5l Wasser
³ PWF = steht für Pilgerweg- und Wanderführer
Zu guter Letzt. Wie war das jetzt mit dem Regen und schlechten Wetter?
Vorweg: „Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur unpassende Kleidung“. Diesen Satz kennen wir alle. Aber er besitzt einen wahren Kern. So stört uns das Nasse weniger, wenn unsere Kleidung und wir selbst weitestgehend trocken bleiben.
Manch Pilgernde:r schwört auf Regenjacke° und gar Regenhose°. Wir hingegen bevorzugen auf unseren Jakobswegen einen Regenponcho (ggf. unser „Badman-Kostüm“ oder teils sogar nur eine dichte Mülltüte) und Garmaschen, um das Wasser nicht über die Beine und Socken in die (Vollleder)Schuhe zu leiten. Denn Innenschuh, Socken und Fuß müssen trocken bleiben. Deshalb Schuhe imprägnieren, Lederschuhe ausreichend fetten und die Garmaschen über die Socken ziehen. Im Sommer gilt zudem: Haut trocknet am schnellsten.
° Im Gegensatz zu Poncho (der im Idealfall nach vorn zu öffnen ist) oder „Mülltüte über dem Rucksack“ halten Regenjacke und -hose zwar meist das Regenwasser ab, die Haut, Nacken und Kleidung jedoch werden durch das Schwitzwasser feucht oder gar nass.
Wichtig ist zudem, dass der Inhalt des Rucksacks trocken bleibt. Dazu kann man auch bei anhaltendem Regen den Inhalt im Rucksack in eine Mülltüte packen und so vor Feuchtigkeit schützen. Du wirst deine Lösung finden.
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